RSS

Sprüche – 004

03 Aug

So als Morgenmuffel schafft man sich ja so seine allmorgendlichen Rituale, damit man es schafft, rechtzeitig und möglichst mühelos in die Gänge zu kommen.

Zumindest brauche ich das in den Zeiten, in denen der alltägliche Bürowahnsinn (gut, so schlimm ist es auch wieder nicht, dass man wahnsinnig werden könnte, aber wenigstens pünktlich möchte man ja schon sein) um sich greift.

Nun liegen 6 Wochen krankheitsbedingte Büroabstinenz hinter mir – es gab Zeiten, da wäre es der blanke Horror für mich gewesen, auch nur einen Tag ohne Arbeit auskommen zu müssen (graue Nebelschleier namens Erinnerung heben sich), aber die Zeiten habe ich zum Glück auch schon eine ganze Weile hinter mir gelassen. Die Morgenmuffligkeit ist geblieben und nun stärker denn je – man gewöhnt sich schnell daran, sich morgens einfach vertüteln zu können.

Aber ich drifte ab – ich war bei den Ritualen.

Ich fahre nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit, auch wenn ich gut und gerne pro Strecke eine halbe Stunde Zeit einsparen könnte, aber der Berufsverkehr in Hamburg ist nicht unbedingt das, was ein Morgenmuffel wie ich ertragen kann.

Also habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, mit der U-Bahn ans beinahe andere Ende der Stadt zu fahren.

Der Vorteil – ich kann gut und gerne eine Stunde nach Verlassen des Hauses vor mich hinträumen, meinen Gedanken nachhhängen und den Tag in (relativer) Ruhe beginnen lassen – langsam in den Tag gleiten sozusagen.

Am U-Bahn-Shop noch schnell den Coffee to go und los geht’s.

So mit der Zeit gehen einem die Gedanken aus, denen man nachhängen könnte oder es fehlen in so einem doch recht ereignislosen Leben wie meinem die Denkanstöße. Dann fängt man an, ein Buch zu lesen, und dann noch eines und noch eines. Das ist auf Dauer irgendwie auch nichts. Müde Leute beobachten macht morgens auch keinen Spaß. Und dann entdeckte ich die Info-Screens der HVV für mich – ich spare mir die Zeitung und verpasse keine Entgleisung eines It-Girls namens Paris, Katastrophenmeldungen ereilen mich auch rechtzeitig, Politiker sind auch nur Männer, in Hamburg ist doch tatsächlich auch was los, ich weiß, an wen ich mich wende, wenn ich in Hamburg maleins Aussenwerbung platzieren möchte, das Wetter wird nicht besser und ich habe mich vermutlich für den Rest des Tages mal wieder komplett falsch angezogen (mal zu warm, mal zu luftig) und – und das ist mein persönliches Highlight eines jeden Morgens – ich bekomme einen Spruch des Tages vorgesetzt, über den zu sinnieren ich mir im Laufe der Zeit angewöhnt habe.

Was will ich auch sonst tun – in den dunklen U-Bahn-Schächten gibt es ohnehin nichts zu sehen.

So geht das nun schon seit Monaten – ich erwarte meinen Spruch für den Tag.

Irgendwas hat mir doch tatsächlich in den vergangenen 6 Wochen gefehlt und gerade in dieser Woche, in der ich nicht so recht in Tritt kommen mag und mich Gedanken belasten, von denen ich gerne mal eine kleine Ablenkung hätte, hatte ich mich so darauf gefreut. Und ausgerechnet heute morgen, wo ich doch gestern Abend erst – so als kleines Betthupferl – wieder eine Nuß zum Knacken bekam, kam er nicht – kein Spruch des Tages – die ganze lange Fahrt – nichts – gonnix.

Und nun?

Ein Morgenmuffel ohne Ritual?

Liebe HVV, das geht so nicht.

Da denk ich mir: Selbst ist die Frau und das Internet wird mir schon einen Spruch servieren. Das Problem ist – ich hab die Qual der Wahl, denn ich kann mir ja einen Spruch aussuchen – in der U-Bahn bekomme ich einfach einen vorgesetzt. Da kann ich nicht sagen, dass er mir nicht gefällt und werde quasi gezwungen, mir darüber meine eignen Gedanken zu machen.

Und so verbringe ich den ganzen Vormittag damit, einen Spruch des Tages auszusuchen, zu dem mir auch was einfällt.

Der Frustfaktor steigt und steigt und steigt!

Und das nicht, weil ich nicht dazu komme, meine Papierberge abzubauen, das hab ich eh aufgegeben. Nächste Woche wird aber durchgestartet! Diese Woche ging nichts – und schon gleich gar nicht mit Gewalt.

Der Frustfaktor steigt, weil mir zu keinem Spruch was gescheites einfällt – ist ja auch logisch. In der U-Bahn kommen die Gedanken und Einfälle ja auch nicht sofort, sondern entwickeln sich über etwa 45 Minuten – die Zeit habe ich mir nicht gegeben.

Und dann hatte ich ihn plötzlich!!!

Naja, ich hatte einen Spruch, zu dem mir auf Anhieb was einfiel – allerdings war dann mein Freitag im Büro auch schon vorbei – und alles nur, weil die HVV mir heute mein allmorgendliches Ritual zerstört hat.

Toll – ganz toll!!!

Ich bin komplett begeistert über so einen verhunzten Tag (okay, ich bin ehrlich, ich hätte eh nichts geschafft).

Hier dann mal MEIN Spruch des Tages:

Die meisten Frauen setzen alles daran, einen Mann zu ändern, und wenn sie ihn geändert haben, mögen sie ihn nicht mehr.

~ Marlene Diedrich ~

Boah Weiber!!!

Was nicht passt, wird passend gemacht!

Nee … das ist die männliche Version.

Ich mach die Welt, wie sie mir gefällt *lalalalalala*

DAS ist weiblich!

Frauen wissen ohnehin nicht was sie wollen – ich nehme mich dabei nicht aus.

Zumindest weiß ich aber, was ich nicht will und dazu gehört ein Mann, den ich mir erst noch hinbiegen muß. Entweder der Mann passt zu mir, so wie er ist, oder ich kann das Unterfangen von vornherein lassen.

Eine Beziehung nur um der Beziehung willen?
Nein, definitiv nicht mein Ding!

Ich möchte ja auch, dass der Mann mich so liebt, wie ich bin und nicht so, wie ich sein könnte.

Und was bringt mir das, wenn er mir nach meiner Umwandlung nicht gefällt, schließlich schließe ich mich ja nicht aus, wenn ich sage, dass Frauen nicht wissen, was sie wollen.

Vielleicht mögen die Frauen den Mann nach Ihrer Transformation auch nicht mehr, weil sie keine Aufgabe mehr haben und sich dann in ein neues Projekt stürzen müssen?

Der Reiz ist weg und ersetzt durch den Reiz an etwas neuem?

Na ja, solang sie bei ihrem Projekt nicht den Fehler gemacht haben, ihn nicht zum Heiraten zu bekommen, und die Unterhaltszahlungen stimmen …

Ach Jungs, ich will euch nicht die Illusionen rauben und mach dann mal lieber Schluss mit meinen Gedanken, nech?

 

Nur eins noch kurz zum Schluss …

… auf dem Heimweg gab es den Spruch des Tages dann doch noch auf dem Info-Screen der U-Bahn – Herzlichen Glückwunsch, Frau Ly!!!

Den heb ich mir dann mal für morgen auf – morgen hab ich frei und begebe mich bestimmt nicht auf den Weg ins Büro.

Oder doch lieber für irgendwann?

Vielleicht den nächsten Bürotag ohne Spruch des Tages, damit ich mich dann im Büro voll und ganz meinem Papierstapel widmen kann.

Und …

… ich hab den Eintrag tatsächlich noch HEUTE geschafft *anerkennendaufdieeigneschulterklopf*

Advertisements
 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 3. August 2007 in Zitate

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: