RSS

Fürchtet Euch nicht …

27 Sep

Das Beste an diesem Tag war die Erkenntnis

In drei Monaten ist Weihnachten vorbei!

 

 

Weihnachten hat ja irgendwie in jeder Familie so seine eigne Dynamik.

Da wird gebastelt, gebacken, das Haus geschmückt, geplant, was es wann zum Essen gibt, wer wen wann besucht, wem was geschenkt wird (man will mit seinem ja nicht hinter des anderen Geschenk zurück stehen) und und und …

Also wird sich in das vorweihnachtliche Getümmel gestürzt. Der Streß- und Frustfaktor steigt. Am Ende gibt es für die Frau das obligatorische Parfum und für den geliebten Ehegatten die Seidenkrawattte und farblich dazu passend ein bis zwei Paar Socken.

Heiligabend sitzt die ganze Familie dann total gemästet „unterm“ Weihnachtsbaum (die Schwiegermutter ist kurz vorm Einnicken – wenigstens nörgelt sie nicht mehr) und packt die Geschenke aus. Jeder bemüht sich, ein freudig überraschtes Gesicht, welches unendliche Dankbarkeit und Liebe ausstrahlt, zu machen – nicht dass der andere auf die Idee kommt, er hätte sich bei der Wahl des Geschenkes vergriffen. Doch insgeheim überlegt man schon, an wen man das Geschenk weiterverschenken kann.

Ich selbst bekam mal eine Packung Pralinen, die ich meiner Oma zum Muttertag mitbrachte, zu Weihnachten von meiner Tante – ihres Zeichens die Tochter besagter Oma – zurück und hab es auch nur daran gemerkt, dass das Geschenkpapier so frühlingsgelb irgendwie nicht ganz so recht zu Weihnachten passen mochte und die Schokolade ein wenig grau angelaufen und die Pralinen etwas eingefallen waren.

Da schenkt die Frau ihrem geliebten Mann zwei Krawatten (Frauen können sich ja auch so schwer entscheiden – also werden beide gekauft – Weihnachten guckt man ja auch nicht aufs Geld) – Mann freut sich womöglich sogar darüber.

Doch bereits am nächsten Tag nimmt das weihnachtliche Verhängnis seinen Lauf.

Er steht vorm Schrank, überlegt, was er zum feierlichen Frühstück am ersten Weihnachtstag anzieht – schließlich ist Mutti zu Besuch. Wie er so dasteht (in Unterhosen, aber immerhin schon mit dem Oberhemd, welches Mutti ihm geschenkt hat, bekleidet) denkt er sich, dass es eine schöne Geste seiner Frau gegenüber sei, die ja auch schließlich ergeben und schweigend Mutti erträgt, eine seiner neuen Krawatten umzubinden.

… und ab hier kann er nur noch alles falsch machen …

Er entscheidet sich für die rote Krawatte und begrüßt seine Frau mit einem Kuss als er zum Frühstück erscheint. Er streckt vielleicht auch noch ein wenig seine Brust heraus, damit sie sieht, dass er ihr Geschenk liebt, und dann vernimmt er die schnippischen Worte seines geliebten Eheweibes: „Ach, die blaue Krawatte hat dir wohl nicht gefallen?!“ Worauf Mutti, der die etwas erhöhte Stimme ihrer Schwiegertochter (sie war sowieso nie die richtige für Ihren Sohn) keineswegs entgangen ist, sich wie eine Löwin schützend vor ihr Junges stellt: „Der Junge hat eben Stil – blau passt auch überhaupt nicht zu seinen Augen … Falls es dir noch nicht aufgefallen ist – der Junge hat grüne Augen – ebenso wie sein Vater.“ Mann mag sich jetzt denken: „Ach, wäre ich doch nur im Bett geblieben!“ aber aus dieser Nummer kommt er jetzt nicht mehr so einfach raus. Er entscheidet sich hoffentlich für das einzig richtige, was er in diesem Moment tun kann und hält den Mund. Das maximale, was er noch tun kann, ist, den wunderschön gedeckten Tisch und den köstlichen Kaffee zu loben. Hierbei dürfte er seine Zuneigung an Frau und Mutti gleichberechtigt verteilt haben.

Mutti bleibt schlimmstenfalls bis kurz vor Sylvester (es könnte ja auch ihr letztes Weihnachten gewesen sein); Frau ist reif für die Insel und bedauert, dass Mann ihr keinen Gutschein für ein kinder- und muttifreies Wellness-Wochenende an der See oder in den Bergen geschenkt hat; Mann ist ob der Mitnahme eines jeden Fettnäpfchens bei Mutti und Frau vollkommen mit den Nerven am Ende und wünscht sich nur noch zurück ins Büro; allein die Kinder sind glücklich und mit ihren Geschenken beschäftigt – auch wenn das neue Computerspiel nicht das war, was auf dem Wunschzettel stand, die Traumzauberbarbie nicht so cool wie die Pinky-Punky-Barbie ist oder die Markenjeans leider von genau der falschen Marke waren (Oma hat Mutti zum Glück die Kassenbelege zu der Seife und den Badeschaum gelegt – Umtausch möglich, wobei Körperpflege- und Hygieneprodukte hiervon ausgeschlossen sind).

Was ein Glück – wir haben es wieder alle geschafft – Weihnachten ist vorbei. Nur schade, dass in noch nicht mal einem Jahr alles wieder von vorn beginnt und Omi sich bester Gesundheit erfreut.

Und was ein Glück, dass mir das alles erspart bleibt – kein Mann, keine Frau, keine Mutti, keine lieben Kleinen … allerdings auch kein Weihnachtsbaum, der in diesem Jahr auf der einen Seite rot und auf der anderen blau geschmückt werden sollte, weil wir uns nicht auf eine Farbe einigen konnten.

So wird es sein, wie in jedem Jahr

Weihnachten ganz in Ly und ohne Weihnachtsbaum.

Advertisements
 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 27. September 2007 in Beobachtungen

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: