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Chefsache

28 Sep

 

Wir sind Kollegen, keine Freunde!

Es geht hier nicht darum,

sich die Haare zu machen

oder gemeinsam seine Tage zu kriegen.

Was die da draußen kapieren müssen ist,

dass ich der Chef bin

 

Bist du überhaupt nicht … nänänänänänänääääääää

Du bist nur die Vertretung vom Chef, so lange der im Urlaub ist. *zungerausstreck*

*jaul* … ich will da nicht mehr hin … zumindest nicht in den nächsten zwei Wochen.

Das ist wieder einmal ausserirdisch, was da zurzeit abgeht *koppschüttel*

Gestern haben wir den ganzen Tag zugesehen (nachdem wir da irgendwie schon seit Wochen drüber brüten, wie wir es am besten machen), dass wir die jeweils erste im Jahr fällige Betriebskostenabrechnung, vor der es jedem, der auch nur irgendwie damit zu tun hat, grault, endlich fertig bekommen.

Mit der Erstellung der Abrechnung an sich hab ich laut Zuständigkeitsregelung ja nur am Rande etwas zu tun (ja klar, ich bin einfach nur zu faul zum Arbeiten und nur deswegen stapeln sich die unerledigten Papierberge seit dieser Zeit auf meinem Schreibtisch). Diese Details auch noch darzustellen, sprengt hingegen jeglichen Rahmen und ist für Außenstehende gleich gar nicht mehr nachzuvollziehen.

Jedenfalls – um auf den Punkt zu kommen – lautete die Anweisung vom Chef:

Die Abrechnung geht nicht raus, so lange sie nicht von ihm frei gezeichnet ist.

Ich hab ja erst gedacht, ich hätte mich verhört, denn derart klare Ansagen bin ich in diesem Haus gar nicht gewöhnt. Mit der Zuständigkeits-, Verantwortungs- und Kompetenzjonglage, die bei uns seit 15 Monaten abgeht, wären wir DIE Hauptattraktion in jedem Zirkus, und ich hab ehrlich gesagt keinen Bock, diese Nummer zu verhauen. Ich will nicht immer Schuld sein!!!

Letzte Teambesprechung Mittwoch vor einer Woche: Chef kündigt an, ab Mittwoch dieser Woche (also vorgestern) in Urlaub zu gehen – Herr meiner Sinne (und ich danke dem Herrn noch heute für diese Eingabe) kommt mir tatsächlich der Gedanke an die fällige Betriebskostenabrechnung – es ist ja nicht so, als würde ich in den letzten Wochen zu irgendwas anderem kommen, nech? Und es ist auch überhaupt nicht so, dass ich mehrmals in der Woche betone, dass die Zeit drängt, weil die Abrechnung zum 30.09. raus sein muss (Haaalloooooo … Mond an Erde … wir haben da einen abweichenden Abrechnungszeitraum ….30.09. nicht 31.12.). Nein üüüüüüüüberhaupt nicht!

„Ähm Chef, ich will ja nicht schon wieder damit anfangen, aber Sonntag in einer Woche ist der 30.09., da muss die Betriebskostenabrechnung für Berlin raus sein! (Ich kann doch auch nichts dafür, dass das zur Zeit drängt. Sie kennen doch unsere Frau H. und unsere Frau U. und von den Brüdern H. gleich ganz zu schweigen. Und rollen Sie doch nicht bitte wieder mit den Augen! *flüster*) Wer zeichnet die Abrechnung ab, wenn Sie im Urlaub sind (und sich in Antalya die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Ich gönne Ihnen das ja drei- bis viermal im Jahr, jawohl! Aber ich muss das jetzt wissen! Ich nerv’ auch ganz bestimmt nicht weiter … ehrlich … versprochen!)“

Der Kronprinz hockt neben ihn als ginge ihn das alles gar nichts an.

„Frau Ly, das haben wir bereits mehrfach durchgesprochen, dass Herr R. (Kronprinzchen zuckt mal kurz) dann die Abrechnung abzeichnet. Wieso überhaupt 30.09.? Abrechnungen müssen doch erst zum 31.12. raus sein …“

„Ja gut, Chef, ich wollte ja nur noch mal nachfragen, weil beim letzten Abteilungsbeweihräuchern in S. (offizielle war es das alljährliche abteilungsinterne Schulungsseminar) eine andere Zuständigkeitsregelung offeriert wurde. Und ausserdem … DIESE Abrechnung muss des abweichenden Abrechnungszeitraumes wegen zum 30.09. und nicht zum 31.12. raus!!!“

„Die Zuständigkeit ist auch grundsätzlich eine andere – nur in diesem Fall ist es so!“

„Ahja!!! Mein Fehler! Tschuldigung!“

Gestern hatten wir es dann – wie eingangs erwähnt – endlich geschafft – unser Glanzstück lag fertig in meinen Händen und ich überbrachte sie ganz stolz unserem Interimschefchen (Kronprinz R.).

„Juhu, R., es ist vollbracht – hier ist die Betriebskostenabrechnung für Berlin. Wir haben auch die Anschreiben so weit schon fertig. Guck bitte noch mal drüber und wenn sie in Ordnung ist, schicken wir sie morgen noch per Kurier raus (das ist doch wohl hoffentlich in Ordnung wegen der Kosten).“

So weit so gut – das Prozedere war ja klar.

Heute Morgen dann komme ich ins Büro – zufrieden, weil die Woche endlich rum, die Abrechnung fertig ist und noch ein kleiner Ausstand mit Imbiss und Umtrunk anstand. Nach dieser Woche brauchte ich Alkohol – dringend!

Kaum, dass ich die Bürotür geöffnet hatte (mein allmorgendliches „Moihoin!“ noch gar nicht ausgesprochen), hätte ich am liebsten kehrt gemacht und mich wieder in mein Bett verkrochen. Ich hätte in diesem Moment sogar gerne auf das in Aussicht stehende Glas Sekt verzichtet. Unser Kronprinz hat wieder alle Erwartungen übertroffen und gerade eben schon einen seiner berüchtigten Rumpelstilzchentänze mit einer Kollegin, die nun komplett außer sich war, aufgeführt.

Keine 10 Minuten später (ich hatte meinen Rechner noch nicht einmal komplett hochgefahren) steht er dann vor meinem Tisch – ich gehe schon mal vorsorglich hinter meinem Bildschirm in Deckung in der Hoffnung, es nicht so geballt abzubekommen.             

„Sag mal Ly (boah, wenn einer schon so anfängt) , wann ist eigentlich diese gottverdammte Abrechnung für Berlin fertig – Fristablauf ist der 30.09. – hast du daran schon mal gedacht?“

Nein, mach keinen Scheiß, das muss mir doch tatsächlich entfallen sein.

„Die Abrechnung ist doch komplett fertig! Die habe ich dir gestern Abend, bevor ich in den Feierabend gegangen bin, noch persönlich in die Hand gedrückt. Sobald Du sie frei gezeichnet hast, kann sie per Kurier raus. Da haben wir doch gestern Abend noch drüber gesprochen!“

„Warum muss ich die abzeichnen? Das muss doch HB machen!“

„Eben nicht! Nachdem, was wir in S. gelernt haben, müsste es HB machen, aber der will sich da nicht in die Nesseln setzen, deswegen sollte es Chefchen machen. Da Chefchen aber nicht da ist, hat Chefchen letzten Mittwoch angeordnet, dass du … blah blah blah“

„Und warum sagst du mir nicht, dass ich abzeichnen muss? So was musst du mir doch dazu sagen!“

Hä?

Was’n das?

Hab ich jetzt irgendwas verpasst?

„Wie jetzt? Erstens haben wir da in der letzten Teambesprechung noch mal explizit drüber gesprochen (mit dem Protokoll vor seiner Nase rumfuchtel). Und zweitens hab ich noch gestern Abend zu Dir gesagt, du möchtest bitte drüber gucken und wenn ich dein OK habe, geht die Abrechnung raus!“

„Das hast du gesagt, aber du musst mir doch auch sagen, dass ich die Abrechnung abzeichnen soll.“

*einatme* Eins!!! *ausatme*

*einatme* Zwei!! *ausatme*

*einatme* Drei! *ausatme*

„Ich muss dir gar nichts sagen, und ich werde mich auch hüten, dir etwas vorzuschreiben – ich bin dir gegenüber nämlich gar nicht weisungsbefugt – und das war auch alles abgesprochen. Und überhaupt: Hast du dir die Abrechnung schon angesehen?“

„Nein!“

„Und warum reden wir hier die ganze Zeit? Die Abrechnung muss heute noch raus (mit dem Finger auf die Uhr tippe) – würdest du sie also bitte endlich prüfen?“

Da dreht der sich um, grummelt bei seinem Abgang aus unserem Büro irgendwas in seinen Bart, den er gar nicht hat und was bleibt, ist komplette Stille, was in einem Büro, in dem 5 Personen arbeiten, so gut wie nie vorkommt.

Alle anderen Kollegen sitzen an ihren Schreibtischen mit runter geklappten Kinnladen und leeren Gesichtern!

„Was war das denn jetzt bitte?“

Alles – einschließlich mir – schüttelt nur mit dem Kopf und findet keine weiteren Worte.

Haben kleine Männer in vorgesetzten Positionen eigentlich generell irgendein Autoritätsproblem?

Ich will ne Frau als Chefin haben!!!

 

 

Zumindest scheint die Arbeit dann mehr Spaß zu machen …

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Verfasst von - 28. September 2007 in Tägliches Einerlei

 

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