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Münteferings Rückzug aus der Politik

20 Nov

Wenn du geschwiegen hättest . . .
Von Hellmuth Karasek

Vergangene Woche sind mir aus gegebenem Anlass und guten Gründen einige Volksweisheiten, philosophische Erkenntnisse und geflügelte Worte unabweislich eingefallen, wie lästige Fliegen summten sie in meinem Kopf.

Zum Beispiel die chinesische Weisheit, die Laotse oder Kung Fu oder Groucho Marx zugeschrieben wird und die ich in einem Glückskeks in einem China-Restaurant gefunden habe (auf der anderen Seite war ein Horoskop für einen Widder, dabei musste ich an Mehdorn denken). Die lautet:

Es ist besser,
schweigend für einen Dummkopf gehalten zu werden,
als es durch Sprechen zu beweisen.

Ich erkläre hier schon feierlich, dass, falls Sie denken, ich hätte das auf den Bundestagsvize Thierse gemünzt, mich schon im Voraus bei ihm entschuldigen möchte. Ich finde, das Wort Dummkopf wäre dann aus dem Zusammenhang gerissen. Andererseits bin ich am Ende meines Lateins, wenn ich sage: Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben oder wie der alte Römer spricht: philosophus mansisses! Philosoph, nein, so weit möchte man im Fall Thierses auch wieder nicht gehen. Obwohl die (ihm offenbar nahestehende) „Süddeutsche Zeitung“ ihn als Schöngeist bezeichnet. Der, Verzeihung, etwas zauselige Vizechefparlamentarier, schön? Das findet, vermute ich, nicht einmal seine von ihm wegen seiner politischen Verpflichtungen im Hellen zurückgelassene Gattin, selbst wenn er für sie ein Ideal ist. Oder meinte er Idol? Egal! Und Geist? Der weht bekanntlich, wo er will, und um besagten Schöngeist herrscht eigentlich meistens Windstille.

Vielleicht sollte man eher an Schiller denken. An die Kraniche des Ibykus, wo einer der Meuchler (nein, nicht Heuchler!) rief: Sieh da, sieh da, Timotheus, die Kraniche des Ibykus!, um dann selber aufzufliegen. Kaum war das Wort dem Mund entfahren, wollt‘ er’s im Busen gern bewahren! Das passt am besten, wenn man sich vor Augen hält, dass zu Schillers Zeiten der Busen noch nicht Zeichen öffentlicher sexueller Erregung, siehe Pamela Anderson, siehe auch Dienstreisen des VW-Betriebsrates, sondern auch der Körperteil des Mannes war, an dem sich Freunde bitterlich ausweinten. Hat Thierse einen solchen Freund, wenn ihm etwas entfährt, was er besser bei sich behalten würde?

Da bietet sich Müntefering an, der Thierse raten würde.

Interview geben ist Mist!
Klappe halten ist besser!
Glück auf!

~ erschienen im Hamburger Abendblatt vom 19.11.2007 ~


Der Herr Karasek war mir ja irgendwie schon immer sympathisch – jetzt gleich noch ein Ticken mehr!

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