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Jahres(zwischen)tag

08 Nov

Nun erzähl ich Ihnen doch noch die Geschichte vom

Jahres(zwischen)tag.

Es begab sich also zu der Zeit …

Nein, so weit ist es noch nicht. Bis Weihnachten haben wir noch 46 Tage.

Es ist zwei Jahre her, dass der Hasenmann und ich uns kennenlernten. Ich war eigentlich gar strikt dagegen, mich auf etwas Neues einzulassen, denn die Trauer über die gescheiterte vorhergehende Beziehung war noch sehr frisch. Da schreibt mich via Internet der Hasenmann an (seines Zeichens und aus meiner Sicht damals noch irgend so ein Kerl, der ne ganz schlechte Anmache versucht) und erzählt mir, er habe gerade so schön und so viel in meinem Weblog gelesen. Ohne mein Weblog säße ich heute also nicht hier und würde den Hasenmann vermissen, der heute ja gar nicht blöd am verkaufsoffenen Sonntag teilnimmt. Und dabei hab’ ich mit dem Weblog-Schreiben nur angefangen, weil ich schon immer alles irgendwie aufschreiben musste. Andere quatschen und quatschen, aber Selbstgespräche muteten mir etwas krank an und sind auch – kaum ausgesprochen – schnell wieder vergessen.

Ihm hatte also das, was ich zu schreiben hatte, gefallen. Es schien ihn auch zu interessieren. Und so schrieben wir uns eine ganze Weile e-mails und Nachrichten hin und her. Er wurde mir immer sympathischer. Irgendwann kommunizierten wir auch via Messenger. Internet ist so herrlich anonym, obwohl das nicht heißen soll, dass wir uns gegenseitig die Taschen vollgehauen haben. Wir hatten wirklich sehr angenehme “Unterhaltungen”. Internet war eine feine Sache für mich: Wir waren uns nah und doch konnte er mir nicht zu nah kommen. Ich hab von ihm am Rechner gelesen und ihm von mir geschrieben, aber weiter kam er nicht zu mir vor. Ein Telefonat wäre ja wie ein Eindringen in meine geschützte Burg gewesen – ich hätte ihn quasi in meine Wohnung geholt. Und so musste er wirklich sehr viele Zaunpfähle verschleudern, um meine Telefonnummer zu erhalten und mich auch einmal zu hören. Glauben Sie mir, das war ein hartes Stück Arbeit für ihn, aber er hatte Ausdauer. Vielleicht war es auch das, was mich letztlich überzeugte, ihn ein Stück weiter an mich heran zu lassen. Und glauben Sie mir auch dies: Ihm meine Telefonnummer zu geben war auch ein hartes Stück Arbeit für mich – Arbeit an mir selbst, ihm Vertrauen zu schenken und mich zu öffnen. Hey, immerhin war er mir auch so schon verdammt nah – schließlich lebte er in der gleichen Stadt wie ich. Und das Beste: Ich bin ihm ganz sicher schon mal begegnet – ohne mir dessen bewusst gewesen zu sein, natürlich – denn er arbeitete in dem Einkaufscenter, in dem ich schon hunderte Male war. Ich bin – wenn ich in den gar nicht blöden Unterhaltungsmarkt gegangen bin, um mir dieses oder jenes zu leisten – schon x-mal an ihm vorbei gegangen.

Und genau dort haben wir uns das erste Mal bewusst gesehen. Ich hätte es irgendwie unfair gefunden, in das Einkaufscenter zu gehen und heimlich um die Ecke zu lunzen, um ihn mir mal von der Nähe anzusehen. Also mied ich die komplette 2. Etage des Einkaufscenters, in dem sich der gar nicht blöde Unterhaltsmarkt befindet. Und als ich so gar nicht mehr umhin kam und doch mal wieder in den gar nicht blöden Unterhaltungsmarkt musste, fragte ich ihn, ob es ihm etwas ausmachen würde, wenn ich mich mal ganz kurz vorstellen komme. Blöde Frage, oder?

Hach, was war ICH aufgeregt! Ich sag’s Ihnen – leicht war das nicht für mich. Aber alles nur noch halb so schlimm, als er mich dann erkannte und nicht gleich die Flucht ergriff. Ein kurzes Gespräch (er musste ja arbeiten), abends Telefon und schon war das erste Date beschlossene Sache.

Unser erstes Date: Ein Kinobesuch (man müsste quasi nicht miteinander quatschen, obwohl man sich eigentlich nichts zu sagen hätte).

Unser erster Film (ein Jahr später hat ihn mir der Hasenmann auf DVD geschenkt)

Irgendwie war es auch eine merkwürdige Situation. Da treffen sich zwei Menschen zu ihrem ersten Date – Aufregung inklusive – und um sie rum springen kostümierte Kids – es war Halloween. Jedes Jahr sehe ich genau diese kostümierten Kids vor meinem geistigen Auge, spüre das ungemütliche Wetter des Abends und erinnere mich an meine eigene Aufgeregtheit, wenn es auf unseren Jahrestag zugeht.

Im Kino dann war das Eis geschmolzen – ich wurde ruhiger und der Hasenmann entdeckte natürlich rein zufällig, dass die Armlehne zwischen unseren Kinositzen auch hochgestellt werden konnte. Es wurde ein schöner Abend. Gut erzogen, wie der Hasenmann ist, hat er mich noch heim gefahren.

Die nächste Verabredung – zwei Tage später. Im großen und gar nicht blöden Unterhaltsmarkt gab Roger Cicero eine Autogrammstunde, die ich zum Vorwand nahm, den Hasenmann wieder zu sehen. Roger Cicero hab ich verpasst, aber der Hasenmann freute sich, mich zu sehen, drückte mir seine Autoschlüssel in die Hand (dieses große Vertrauen kann ich auch heute noch gar nicht recht nachvollziehen) und fragte mich, ob ich ihn nach Feierabend abholen möchte – wir könnten doch einfach mal schön essen gehen. Gesagt getan – pünktlich zum Feierabend stand ich wieder vor ihm; auch das Auto war unversehrt. Wir fuhren zu ihm und naja, was soll ich sagen: Der Abend schritt voran und schritt voran  – ein Restaurant irgendwie nicht in Sicht. Irgendwann dann doch: Hunger. Unser erstes Diner fand im Burger King statt. Wir amüsieren uns heute noch über unser erstes schönes Essengehen.

Ja, so war das mit dem Hasenmann und mir. Seit diesem Abend waren wir nur eine Nacht getrennt. Anfangs lebten wir zusammen in getrennten Wohnungen – ein paar Tage bei mir, ein paar Tage bei ihm. Es dauerte nicht lange, dass wir dieses Nomadenleben leid hatten. Zwischen uns war ja eigentlich alles klar. Im Mai trat ich meine Stelle in meiner jetzigen Firma an. Seitdem lebten wir quasi nur noch in seiner Wohnung. Ich bin nur ein einziges Mal von meiner Wohnung ins neue Büro gefahren. Kurz darauf hab ich meine Wohnung gekündigt und bin im Sommer mit Sack und Pack bei ihm eingezogen, obwohl es uns von Anfang an klar war, dass wir uns eine neue gemeinsame Wohnung suchen würden. Ich habe vor dem Hasenmann überhaupt noch nicht mit einem Mann zusammen gelebt. Der Hasenmann war vor mir zu einer Frau gezogen, mit der er auch viele Jahre zusammen gelebt hat, wo er sich aber nie richtig zu Hause gefühlt hat. Er ist eben zu ihr gezogen. Wir wollten von Anfang nicht, dass einer zum anderen zieht, sondern dass wir gemeinsam in eine neue Wohnung ziehen und sie uns gemeinsam einrichten. Und so ist es dann auch gekommen. Vor einem Jahr sind wir hier eingezogen, nachdem wir uns das Geld für die Genossenschaftsanteile und alles, was man am Anfang in einer neuen Wohnung (einschließlich der Endrenovierung der verlassenen Wohnungen) so braucht, zusammen gespart haben. Und wir fühlen uns hier beide zu Hause. Vielleicht auch gerade deshalb, weil eben keiner von uns zum anderen gezogen ist. Diese Wohnung hat sowohl meinen als auch seinen – eben unseren – Stil.

Und vor ein paar Tagen stand unser Jahrestag (der zweite mittlerweile) vor der Tür – ein Montag. Der Hasenmann und ich arbeiten ja viel (und in letzter Zeit fast nur noch) – er hatte Schließdienst, ich hatte die Betriebskostenabrechnungen, die mich auch abends im Büro hielten. Uns war klar, dass unser Jahrestag in einem total erschöpften Heim kommen – McDonalds mampfen (würde ja super zu unserem ersten Diner passen) – Schlafen gehen enden würde.

Die Idee, die Jahrestagsfeierlichkeiten auf Halloween zu verlegen, wäre auf’s gleiche Ergebnis hinaus gelaufen. Auch am Samstag hatte der Hasenmann Schließdienst und saß ich über meinen Betriebskostenabrechnungen im Büro.

Ich hatte schon 10 Tage vorher   unabhängig von unseren Jahrestagsplanungen für Sonntagnachmittag Kinokarten für “This is it!” reserviert (man erwartete ja einen Run auf diesen Film). Der Hasenmann hatte eine Idee und überraschte mich danach mit einer Reservierung beim Asiaten (und er mag eigentlich gar kein asiatisches Essen, war mir aber – warum auch immer – noch eines schuldig).  Und so verlegten wir unsere Jahrestagsfeier mal eben auf den Tag zwischen unserem ersten Date und dem Tag, ab dem wir uns nicht mehr trennten und nannten ihn

Jahres(zwischen)tag.

Ich denke, angesichts der widrigen Umstände ist es legitim, sich einen Ausweichtermin zu suchen.

Es war ein schöner Tag. In Ruhe ausschlafen, in Ruhe lecker frühstücken, nachmittags ins Kino, danach ein wenig spazieren und den Abend im Restaurant (und nicht bei Burger King) ausklingen lassen.

Ein kleiner Tipp (sollte ich Gelegenheit haben, schreibe ich mehr darüber):

Sowohl der Film als auch das Lokal lohnen einen Besuch.

This-is-itGolden

Und zum Schluss noch etwas nur für meinen Hasenmann.

Ich liebe Dich, mein Sonnenschein!

Danke für zwei wunderbare Jahre.

Danke für …

  • deine Hartnäckigkeit, mich kennen zu lernen
  • Burger King
  • Ratatouille
  • deine Autoschlüssel
  • dein Frühstück (auch, wenn du es mit dem Müslimenge noch immer zu gut mit mir meinst)
  • dein “Das schmeckt gut!”, wenn ich koche
  • deine Schlepperei mit Möbeln und Kartons
  • deine Geduld mit mir, wenn ich quakig bin
  • dein “Ich weiß!”, wenn ich müde und kaputt bin und eigentlich nicht ins Büro will
  • dein Verständnis, wenn ich mal wieder mehr Stunden im Büro zubringen muss
  • deinen allmorgendlichen und oft auch abendlichen Chauffeurdienst
  • die Tabletten, die du mir auch nachts ans Bett bringst, wenn mich meine Migräne plagt
  • deine Zurückhaltung und dein Verständnis, obwohl du meine Familie so gerne kennenlernen möchtest
  • deine Familie
  • die Momente, in denen du mich durch deine Art zum Lächeln und zum Lachen bringst
  • deinen Badputzdienst
  • dein Wäscheaufhängen
  • keine (bis auf eine, die nicht mehr zählt) Nacht ohne dich
  • die Landungsbrücken zu jeder Jahreszeit
  • meine Beinablagemöglichkeit abends auf der Couch
  • dein nächtliches Anstubsen, wenn das kleine Sägewerk auf Touren ist
  • den schönen Urlaub auf Fanö
  • dass du mich genauso nimmst, wie ich bin und mich nicht ändern möchtest
  • und für tausend andere Dinge, die das Leben mit dir so schön machen.

Ich möchte definitiv mehr davon.

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Verfasst von - 8. November 2009 in Das Leben und wir

 

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