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Balkonien

24 Mrz

Der Balkon hat mir dann doch keine Ruhe gelassen. Ich bin bei Leibe nicht pingelig und schon gar nicht putzwütig oder so etwas in der Art, aber so wie er war konnte ich ihn nicht lassen. Und so hab ich mir Besen und Wischmopp geschnappt und losgelegt. Meine Bandscheibe hatte etwas einzuwenden, aber man kann nicht immer auf alles und jeden Rücksicht nehmen.

Nun kann ich also stolz verkünden: Unser Balkon ist frühlingsfit (die Fenster sind es leider noch immer nicht).

Und da der Hasenmann heute irgendwie nicht den Absprung aus dem roten Unterhaltungsriesen gefunden hat, jetzt aber doch zufrieden und satt beim Fußball mitfiebert und morgen seinen freien Tag hat, hab ich mir gedacht, ich mache gleich die Albumseiten fertig, dann hab ich morgen auch nichts auf dem Zettel und kann den ganzen langen Tag mit meinem Hasenmann genießen – einschließlich ausschlafen und Frühstück mit frischen Brötchen. Nachmittags geht’s auf den Dom. Und danach noch einen Kaffee für Frau Nebelschwaden auf dem Balkon. Der Hasenmann darf nachmittags so spät keinen Kaffee mehr trinken, sonst hat Frau Nebelschwaden die Nacht über keine Ruh.

Et voilá …

Frühling-auf-Balkonien-(1) Frühling-auf-Balkonien-(2)

Frau Nebelschwaden ist ja eher der Typ einer einheitlichen Bepflanzung. Im Frühjahr gab es bei ihr schon immer ausschließlich Stiefmütterchen.

Der Hasenmann hat in diesem Jahr nun den Wunsch geäußert, die Balkonkästen bunt zu bepflanzen.

Man kann auch Stiefmütterchen schön bunt pflanzen – die gibt es in so vielen tollen Farben, dass die Wahl sehr sehr schwer fällt. Nur nebenbei bemerkt: Es gab immer zwei Farben pro Saison – schön symmetrisch gepflanzt.

Nein, DIESES Bunt meine er nicht – er hätte gar zu gerne verschiedene Blumen in verschiedenen Farben gepflanzt.

Pah.

Sie müssen dazu auch wissen, dass Frau Nebelschwaden ein stark visueller und symmetrischer Typ ist – dieses Durcheinander, was nicht nur durch mehr als zwei Farben, sondern erst recht durch mehr als eine Sorte Pflanzen in einem Kasten entsteht – gräulich abscheulich. So pflanzt man doch keine Balkonkästen. Das hat sie zu Hause gelernt. Die müssen es wissen – sind schließlich alles Gärtner da. 

Frau Nebelschwaden schlug als Kompromiss vor, die beiden äußeren Kästen kunterbunt, aber einheitlich mit Stiefmütterchen – vielleicht, wenn sie mutig ist, auch mal mit Hornveilchen, die sie gar zu schön findet, sich aber nicht zu verpflanzen getraute – und den mittigen Kasten quasi als Experiment mit ganz vielen verschiedenen Frühlingsblumen (Tulpen, Narzissen, Tausendschönchen, Ranunkeln und Hyazinthen) zu bepflanzen. Bunt, aber mit System und symmetrisch. Damit konnte sich auch der Hasenmann zufrieden geben.

Gesagt. getan.  Da stand sie nun, die Frau Nebelschwaden, im Baumarkt und wusste gar nicht, was sie nehmen sollte – Narzissen und Ranunkeln gab es ohnehin nicht. Sie ging die Pflanzencontainer auf und ab – besah sich dies, besah sich das. Legte im Einkaufswagen einen Zollstock auf 80 cm aus und ordnete die unterschiedlichsten Blumen an. Wissen Sie, all die Jahre war es schwer genug, sich für zwei Farben zu entscheiden – nun waren es neben den vielen Farben aber auch so viele unterschiedliche Pflanzen. Wie zum Geier ordnet man die in einem Kasten symmetrisch an, so dass alle drei Kästen nebeneinander auch noch ein stimmiges Bild ergeben. Ich versichere Ihnen, das war gar nicht einfach und hat sehr sehr lange gedauert. Irgendwann war es dann so weit – genug Pflanzen ausgesucht, schnell zur Kasse, bevor man es sich anders überlegt, Ware verladen und dann nichts wie weg. Frau Nebelschwaden war sogar so mutig, von ihrem Kompromissplan abzuweichen und ganz tollkühn alle Kästen bunt bepflanzen zu wollen.

Und so stand Frau Nebelschwaden, die ihren Hasenmann sehr liebt und ihm seinen Wunsch nur zu gern erfüllen wollte, heute nun in aller Frühe (beinahe noch im Hemd) auf dem Balkon wieder vor ihren kunterbunten Pflanzen und begann diese ganz kunterbunt, aber doch irgendwie symmetrisch zu verteilen, was ihr nach langem Hin und Her auch endlich gelungen ist (sie lag vorher schon eine ganze Weile wach im Bett und spielte das Szenario im Geiste immer und immer wieder durch). Mit dem Ergebnis ist sie sogar ein wenig zufrieden – bunt, aber doch auch ein klein wenig symmetrisch.

Wie sie es eben gerne hat.

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