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Archiv der Kategorie: Literatur

Sonntags …

Endlich mal wieder ein Tag für mich zum Putteln.

“Putteln?” werden Sie fragen “Was ist denn das?”

“Nun,” werde ich antworten “eigentlich ist das gar nichts.”

Also vielmehr so etwas wie *gar nichts und doch was tun*; den Tag einfach mal so vor sich hin plätschern lassen; bissi hier kramen, bissi da kramen – einfach mal die Seele baumeln lassen und Dingen nachgehen, für die man sonst – und ich in der letzten Zeit im speziellen – so gar keine Zeit hatte.

Mir fallen grad so viele Dinge ein, die Sie gar nicht interessieren werden,  für die dieser eine Sonntag gar nicht reichen wird. Der Hasenmann beteiligt sich heute am verkaufsoffenen Sonntag und so habe ich glatte 5 Stunden, in denen ich tun und lassen kann, was ich will. Ich kann das auch so, aber ohne den Hasenmann kann ich das noch ungestörter besser. Ich merke gerade – ich verrenne mich, denn der Hasenmann stört mich so ganz und gar nicht, wenn er hier ist. Im Gegenteil – ich mag es, wenn ich Zeit mit ihm habe. Ich hätte ihn auch viel lieber hier. Und trotzdem: Vor mich hin putteln kann ich am besten ganz alleine. Ach herrje, ich weiß gar nicht, wie ich das erklären soll. Ich glaub’, ich sollte hier einfach einen Cut machen, bevor ich mich um Kopf und Kragen schreibe.

Gut, was also sind die vielen Dinge, die mir zum Vor-Mich-Hin-Putteln einfallen.

Das liebe Tantchen hat in der kommenden Woche Geburtstag. Also könnte ich die Tauglichkeit und Systematik meines neuen Bastelschranks (von dem ich noch gar nicht berichtet habe) testen und eine Karte basteln. Geburtstagskarten werden  grundsätzlich – soweit es auch nur irgendwie möglich ist – selbst gebastelt.

Wenn ich mich im Spiegel betrachte, könnte meine Haut und auch der Rest von mir ein kleines großes Verwöhnprogramm gut gebrauchen. So was wie Genaralüberholung trifft es wohl am besten.

Aufgrund meiner langen und arbeitsreichen Wochen im Büro sind so viele Einträge hier ungeschrieben geblieben. Ich könnte Ihnen vom letzten Sonntag schreiben, den der Hasenmann und ich so schön verlebt haben. Es war sozusagen unser Jahres(zwischen)tag. Ich würde Ihnen gerne berichten, was es mit unserem Jahres(zwischen)tag so auf sich hat. Vielleicht tue ich das später auch noch. Ich könnte Ihnen von meinen Novembergefühlen berichten. Ich hätte parallel auch noch ein Gulaschrezept und – wenn die Geburtstagskarte dann fertig ist – auch noch die Bastelanleitung ins Netz zu stellen. Von meinen letzten zwei Arbeitswochen möchte ich Ihnen lieber nicht berichten – ich bin froh, sie hinter mir zu haben.

Dann hab ich mal wieder richtig Lust auf Kuscheldecke, Kuschelsocken, Tee und Lesen bekommen.

Gestern war ich wegen des bevorstehenden Geburtstags des lieben Tantchens seit ewigen Zeiten mal wieder in einer Buchhandlung, denn vor geraumer Zeit hat mir das Tantchen mal erzählt, sie würde so gerne das Buch “Es muss nicht immer Kaviar” von Johannes Mario Simmel lesen. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, glaube dem Tantchen aber, wenn sie mir erzählt, dass dieses Buch zu DDR-Zeiten ein richtiger Renner war – wohl wegen der Rezepte, die so ganz nebenbei erläutert werden. Sie hatte aber nie die Zeit oder Muse oder das Interesse, dieses Buch zu lesen. Nun ist sie älter, hat die Zeit, die Muse und das Interesse. Das Tantchen muss sich aber immer sehr lange überlegen, welches Buch sie sich als nächstes leistet, denn sie liest sehr gerne und sehr viel, aber leider steht sie finanziell nicht so gut da, dass sie sich jedes Buch gleich kaufen kann, was sie gerne hätte. Wider Erwarten war das Buch sogar vorrätig – zwar leider nur als Taschenbuch und deswegen als Geschenk nun nicht gerade so schön, aber immerhin. Wichtig ist letztlich ja auch, was drin steht und nicht, wie es gebunden ist. Ich hatte also das Buch stolz in der Hand – das Tantchen wird sich sicher freuen – und auf einmal packte sie mich wieder – die Stöberwut. Aus Buchhandlungen war und bin ich immer ganz schwer wieder raus zu bekommen. Ich weiß nicht, was es ist, aber habe ich eine Buchhandlung erst einmal betreten, schließt sich hinter mir die Tür und irgendwer scheint den Ausgang zu verstecken. Die Welt, die sich mir eröffnet ist so bunt, so facettenreich, so faszinierend, dass ich einfach durch die Regale streifen muss. Und am Ende halte ich drei Bücher in der Hand und muss mich zwingen, meine Augen von den Regalen zu lösen und offen zu sein für die Suche nach dem Ausgang (natürlich mit kurzem Zwischenstopp an der Kasse). Kaum in der U-Bahn konnte ich aber nicht mehr an mich halten und hab das erste Buch aufgeschlagen, angefangen zu lesen und beinahe meine Zielstation verpasst.

Das ist meine Ausbeute von gestern.

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  • Johannes Mario Simmel – Es muß nicht immer Kaviar sein
  • Katharina Hagena – Der Geschmack von Apfelkernen
  • Petra Oelker – Die zerbrochene Uhr
  • Gebrand Bakker – Oben ist es still (war leider nicht verfügbar, kommt aber bald als Taschenbuch, und dann schnapp ich es mir)

Ich freue mich auf den Genuss des Verschlingens der Buchstaben. Das Buch für das liebe Tantchen werde ich natürlich erst nach ihr lesen, wenn sie es denn dann noch einmal leihweise herausrückt. Und bestimmt werde ich berichten:

Was wollte ich heute eigentlich?

Putteln!

Und genau damit fang ich jetzt an, sonst ist die Zeit rum und ich hab’ sie nicht genutzt.

Was red’ ich: Mit dieser Einstellung wird das nix mit dem Putteln! Ich koche mir jetzt erst einmal einen schönen Tee und dann guck ich mal, wonach mir so ist.

Ihnen wünsche ich derweil einen schönen Novembersonntag.

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Zu Weihnachten etwas Besinnliches

Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum:

Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn. Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten, Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.

Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigenen und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte, daß an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war.

Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:
“Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdecke ich, daß in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?”

Da antwortete er:
“Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen.”

Mary Stevenson
Copyright © der deutschen Übersetzung 1996 Brunnen Verlag

 
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Verfasst von - 25. Dezember 2006 in Literatur

 

Eine kleine Buchempfehlung für die kalte Jahreszeit

„Liebe nennen wir jenes extreme Gefühl, das von der Zuneigung zur Leidenschaft führt und von der Leidenschaft zur Abhängigkeit; es versetzt das Individuum in einen rauschhaften Zustand, der zeitweise die Zurechnungsfähigkeit des Betroffenen, des Getroffenen einzuschränken vermag: Ein Glück ist es, das Leiden bereitet, und ein Leiden, das den Menschen beglückt.“

~ Marcel Reich-Ranicki ~ Mein Leben ~

Ein Buch, dass es nach meinem bescheidenen Dafürhalten unbedingt verdient, gelesen zu werden.

Ich selbst lese es mittlerweile zum zweiten Mal – was mir bei einem Buch höchst selten passiert – und bin erstaunt, wie sehr es mich wieder in seinen Bann zieht, wie sehr es mich ergreift und doch auch amüsiert.

Ich hatte beim Literaturpapst weit ausschweifende Exzesse in Worten und Gedanken, denen ich nicht zu folgen vermag, erwartet.

Diese Erwartung wurde enttäuscht.

Ich habe ganz andere Dinge gefunden, die mich tief berührten und meine Erwartungen am Ende mehr als übertrafen.
Wortwitz, Amüsement, Zärtlichkeit, Sensibilität, Stille und Nachdenklichkeit.
Aber auch Ergriffenheit, Grausamkeit, Sprachlosigkeit, Fassungslosigkeit und Hilflosigkeit.

Der Spiegel schrieb: „Es ergreift durch die tonlose Stille des Entsetzens, durch subtile Andeutungen, polemisches Verschweigen, durch Lakonik und Zärtlichkeit …“

Ja!

Die FAZ schrieb: „Reich-Ranicki hat eine der schönsten Liebesgeschichten dieses (des letzten) Jahrhunderts geschrieben.“

Liebesgeschichte?

Liebesgeschichte klingt zu platt für das, was es ist, aber um dabei zu bleiben: Es sind Liebesgeschichten!

Die Geschichte einer tiefen Liebe zwischen zwei Menschen, die im Warschauer Getto unter dem erhängten Vater seiner späteren Frau beginnt – tagtäglich überschattet von den Judendeportationen und der Angst, dieses Grauen nicht zu überleben – und bis ins hohe Alter verbindet; eine Liebe, die geprägt ist von so viel Gefühl, Verständnis, Tiefe und der Macht des gemeinsam Erlebten und Überlebten.

Die Geschichte einer tiefen Liebe zur Literatur und Musik, die schon in Kindheitstagen geweckt, durch besondere Erlebnisse geprägt und verankert und mit so viel Feinsinnigkeit erzählt wird.

Die Geschichte einer tiefen Liebe zu vielem und letztlich eine tiefe Liebe zum Leben.

„Jude und doch kein Jude – ein Mensch.“ So definiert sich Reich-Rancki auf die Frage, wer oder was er sei.

Ein Mensch!

Einen Menschen habe ich in diesem Buch entdeckt.

Ich habe mich darauf eingelassen, meine Vorurteile beiseite zu schieben und hinter die mediengeformte Fassade eines Menschen zu sehen, und was ich gefunden habe, ist nicht der unnahbare arrogant wirkende und mit seiner Meinung über allen anderen Meinungen stehende Literaturpapst, den wir alle aus dem Literarischen Quartett kennen.

Ich habe einen Menschen gefunden!

Einen Menschen, den seine Geschichte geprägt hat.

Und ich denke, das war das größte Geschenk, was mir dieses Buch bereitet hat – zu sehen und zu lernen, dass hinter jeder Fassade ein Mensch zu finden ist.

Nichts weiter als ein Mensch!

Und doch ein Mensch!

 
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Verfasst von - 13. November 2006 in Literatur

 
 
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