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Archiv der Kategorie: Zitate

Geschichten aus dem Mietshaus

Mein Großvater väterlicherseits, mit dem mich zugegebenermaßen nicht das innigste Band der Liebe verband, hatte über dem Eingang zum Herzstück unserer Gärtnerei (gegründet am 01.04.1871 und derzeit in 5./6. Generation – je nachdem wie man den Inhaberwechsel durch Zweitheirat meiner Uroma in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts wertet – in der Hand meines Bruders) eine Bronzetafel anbringen lassen, auf der folgendes Zitat eingraviert war:

Wenn Hass und Neider dich umringen,
dann denk an Götz von Berlichingen.

~ Quelle des Zitats unbekannt ~

Für alle diejenigen, denen sich der Sinn dieses Spruches nicht auf den ersten Blick erschließt, sei erwähnt, dass Johann Wolfgang von Goethe 1773 seinem Dramenhelden Götz von Berlichingen den inbrünstigen Ausspruch, welcher sich abkürzen lässt mit “LMAA”, in den Mund gelegt hat. Es dürfte sich damit – nebenbei bemerkt – um das wohl meistverwendete und alltagsgebräuchlichste Zitat des deutschen Dichterfürsten schlechthin handeln.

Warum ich Ihnen das erzähle?

Beginnen wir mit dem Stein des Anstoßes, von dem Sie sich hier einen eigenen Eindruck verschaffen können.

Feierabend 2

Am Anfang steht eine kleine Balkonidylle, wie es sie in Deutschland millionenfach geben dürfte.

Und nun spannen wir den Bogen zum alten Götz von Berlichingen.

Hass und Neider wohnen in der Wohnung unter uns.

Anders lässt sich der neuerliche Brief unserer Hausverwaltung nicht erklären, mit dem auf die Einhaltung der Hausordnung hingewiesen wird, in der es u.a. heißt, Balkonkästen seien an der Innenseite der Balkone anzubringen, “damit eine Belästigung durch das Begießen der Blumen für die Mitbewohner ausgeschlossen wird”.

Kein Thema! Sehen wir ein.

Was wir nicht einsehen ist die Tatsache, dass wir die Balkonkästen auch dann innen anzubringen haben, wenn durch das Begießen unserer Blumen für die Mieter unter uns gar keine Belästigung oder Beeinträchtigung  entsteht. Der Sinn und Zweck der Regelung der Hausordnung läuft in diesem Fall nämlich komplett ins Leere.

Begonnen hat die unsägliche Geschichte bereits im vergangenen Jahr (wir gehen also schon in die zweite Runde), nachdem ich durch eine Unachtsamkeit zu Beginn der Pflanzsaison EIN MAL etwas gepütschert habe – es war ein Schwubs klares Wasser, der daneben ging. Ich hab es auch nie bestritten und mich sogar entschuldigt. Unsere Nachbarn fühlten sich dadurch aber “REGELMÄSSIG BEIM BEGIESSEN der Blumen belästigt” und “das Wasser soll an der Balkonbrüstung entlang auf den Balkon der Nachbarn laufen und dabei Balkon und -tür beschmutzen.” Es folgten ein kurzer Schriftwechsel, zwei Telefonate  und ein Vor-Ort-Termin der Hausverwaltung, die kein Fehlverhalten feststellen konnte. Auch haben die lieben Nachbarn eingeräumt, dass es zu keiner weiteren Belästigung mehr gekommen sei (der entsprechende Brief wurde mir vorgelesen), aber trotzdem…

Prinzip ist eben Prinzip! (Anm. der Red.)

Auch in diesem Jahr!

Jetzt erst recht!

Jawohl!

Und so wird bereits mit Ausbringen der Frühjahrsbepflanzung, die wohlgemerkt noch keine Woche hängt (die Winterbepflanzung hat anscheinend nicht gestört), wieder die Hausverwaltung angeschrieben, die uns erneut auf die Hausordnung verweist und uns bittet, die Balkonkästen innen anzubringen. Nur am Rande und zur Vervollständigung sei bemerkt, dass ich die Kästen in diesem Jahr noch nicht ein Mal gegossen habe – die Erde war nach dem Winter nämlich noch so nass, dass sich dieses bis heute erübrigte.

Ich sag Ihnen: Das ist ein Start ins Wochenende, wie man ihn sich wünscht nach einer langen Arbeitswoche und bei den ersten Sonnenstrahlen des Jahres.

Nun ist es ja so, dass ich – wie Sie eingangs bereits geschlussfolgert haben könnten – inmitten von Blumen aufgewachsen bin und somit ohne Blumen gar nicht leben kann und durchaus weiß, wie ich sorgfältig und ohne Beeinträchtigung für unsere Mitbewohner gieße und dass es durchaus lohnenswert ist, in hochwertige Balkonkästen zu investieren, die über ein Reservoirsystem auch kleckerfrei zu befüllen sind.

Hier kratzt gerade jemand an meiner genetisch bedingten Gärtnerehre.

Es ist ja nun auch so, dass ich selbst seit Jahren in der Immoblienverwaltung tätig bin und durch den glücklichen Umstand zweier Staatsexamen in der Juristerei durchaus einschätzen kann, welche rechtliche Bedeutung dieser Bitte der Hausverwaltung mit dem Verweis auf die Einhaltung der Hausordnung zukommt. Man versucht uns durch einen derartigen Brief zu suggerieren, wir würden unseren Mieterpflichten nicht nachkommen und uns fehl verhalten.

Hier kratzt gerade jemand an meiner Berufsehre.

Und es ist sowieso so, dass der Hasenmann – wer ihn kennt, wird es uneingeschränkt unterschreiben – ein überaus korrekter Mensch ist, ruhig ist er allemal und eine Seele von Mensch sowieso und ein Nachbar und Mieter, wie ihn sich jeder Hausverwalter nur erträumen kann, obendrein.

Hier kratzt jemand an der Menschenehre meines Hasenmannes.

Wir beide sind ja durchaus verträgliche Menschen und werden es auch bleiben, aber Kratzen an unserer wie auch immer gelagerten Ehre geht gar nicht und damit schließen wir mit folgendem Zitat:

Leckt uns am Arsch!

~ frei nach Johann Wolfgang von Goethe ~

Entschuldigen Sie die harten Worte – es handelt sich um ein Zitat. Wenig damenhaft, aber absolut passend.

Die Balkonkästen bleiben hängen und zwar genau dort und so, wie sie es jetzt bereits das vierte Jahr tun – an der Außenseite des Balkons.

Basta!

Prinzipienreiterei können wir auch, auch wenn wir keinen Spaß daran haben und unsere wenige gemeinsame freie Zeit viel lieber mit den schönen Dingen des Lebens verbringen möchten.

 

Edit:

Es waren, nachdem wir ja nicht mehr gepütschert haben und man dies auch einräumte, herabfallende Blütenblätter, die im letzten Jahr Grund des Unmuts waren, weil sie den Balkon derart verschmutzen, dass Frau Nachbarin jeden Tag putzen musste.

Beim Vor-Ort-Termin bemerkte Frau Hausverwalterin beim Blick über die Balkonbrüstung auf den darunter liegenden Balkon: “Welche Blütenblätter?”

Unabhängig davon, dass das ein oder andere Blütenblatt auch dann herunter fallen kann und wird, wenn die Balkonkästen an der Innenseite angebracht werden, sieht es VOR unserem Haus in diesem Jahr SO aus …

Balonien

… es wird also  jede Menge Staub geben, wenn die Abrissarbeiten des Flachbaus erst beginnen.

Der Hasenmann arbeitet ja jetzt im Großhandel für Reinigungsmittel. Wenn man sich also mit seinem Nachbarn gut stellen würde, käme man vielleicht günstiger an die Putzmittel ran, die in diesem Jahr in rauen Mengen für die tägliche Balkonreinigung gebraucht werden.

Zu dumm aber auch!

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Ein Kommentar

Verfasst von - 24. März 2012 in Das Leben und wir, Zitate

 

Sprüche – 012

Dummheit ist auch eine natürliche Begabung.

~ Wilhelm Busch ~

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Gestern Abend im Schlafsaal im freenet-chat

kall26: hallo kommst in den 2er

-ly-: nö, laß uns doch hier lieber im offenen schreiben

kall26: nix dagegen

kall26: wo bist denn hab dich im Schlafsal geklickt

-ly-: im schlafsaal bin ich

kall26: da ist kei offi

-ly-: ach, sag bloß

kall26: gut ich such dich

-ly-: viel glück!

-ly-: sagste mir bescheid, wenn du mich gefunden hast, nä?

kall26: danke du bist nirgens

-ly-: was soll das heißen, dass ich nirgends bin?

kall26: dein Nick ist in keiem Chat

-ly-: soll das etwa heißen, dass es mich nicht gibt?

kall26: doch bei mir

-ly-: also haste mich nun doch gefunden?

kall26: ja jetzt bei mir

-ly-: ich bin doch aber hier, wie kann ich dann bei dir sein?

kall26: im welchem Chat warst du

-ly-: ich bin die ganze zeit hier

kall26: im Schlafsal

-ly-: joah, ich konnte mich hier ja nicht weg bewegen, weil mich jemand geklickt hat, der komplett intelligenzbefreit ist

kall26: woher und wie alt bist du

-ly-: das weißt du nicht?

kall26: woher soll ich das wissen

-ly-: zum beispiel von meinen daten auf meinem profil, auf dem du erst kürzlich warst?

kall26: wares heute

-ly-: so etwa 21:35 Uhr … jetzt ist es 21:50 Uhr

kall26: was hab ich da gefragt

-ly-: das weiß ich doch nicht, ich war ja nicht dabei

-ly-: hast du eine schlimme krankheit

kall26: nein sist ni9cht ansteckend

-ly-: hast du eine ahnung, wie mich das beruhigt?

kall26: ja

-ly-: tut das eigentlich weh?

kall26: nein das merkt man nicht

-ly-: ja wie will man auch etwas merken, was nicht da ist … hirn zum beispiel

kall26: von was einer Krankheit spricht du

-ly-: na, von deiner

kall26: was heißt von meiner

-ly-: na, von deiner krankheit

kall26: was für eine?

-ly-: ich hab den verdacht, dass du auch das nicht begreifen würdest

kall26: sags mir

-ly-: also gut, ich habe heute meinen sozialen tag … ich verarsche dich hier die ganze zeit und du merkst es nicht

kall26: doch merke es du bist 35 hab dich gefunden

-ly-: ich hab es gewußt – du begreifst es nicht

kall26: pass auf die Elbe auf das sie dich nicht mitreißt

kall26: wär zu schade drum das Wasser mit dir zu versäuchen

-ly-: hast du angst, dass ich jetzt den glauben an die menschheit verloren habe und mich ins wasser stürze?

-ly-: wow, da ist ja doch noch was und ich muß nicht ins wasser

kall26: nein eher Angst das du dich auf die Menschheit stürzt

-ly-: du solltest dir erstmal sorgen um deine krankheit und dich machen … die menschheit übersteht mich schon

kall26: meine Krankheit hab ich im Griff

-ly-: dann kann ich dich ja als therapiert entlassen

kall26: haben alle schon gemacht wo ich war

-ly-: dann wünsche ich dir jetzt mal noch einen schönen abend

kall26: nur einige haben gefragt ob ich Sternbild Löwe oder Elefant bin

kall26: noch da

-ly-: ich hab grad meine sternenkarte rausgesucht, um das sternbild elefant zu suchen

kall26: such mal ist wohl mein Erinnerungsvermögen mit geneint

-ly-: aha, ich wünsche dir aber trotzdem einen schönen abend

-ly-: das war jetzt eine verabschiedung

kall26: bay

kall26: du geile Socke

kall26: lass dich mal richtig durchficken damit du wieder klar wirst

 

Keine intelligente Lebensform auf diesem Planeten!

Beam me up, Scotty!

PS: Mit dem F-Wort hatte ich eigentlich schon viel früher gerechnet.

 
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Verfasst von - 20. September 2007 in Zitate

 

Sprüche – 011

 

Kettcar ~ Landungsbrücken raus ~

 

Es gibt Dinge, die erinnern uns unweigerlich an Menschen, an schöne oder weniger schöne Erlebnisse – ein Buch, ein bestimmtes Lied oder ein spezieller Ort.

Madonna’s „Like A Prayer“ erinnert mich zum Beispiel an Kay – meine Jugendliebe. Es waren nur 14 Tage in jenem Sommer 1989 und ich war 17 – mitten drin in meiner Sturm-und-Drang-Zeit. Es kamen einige Männer nach ihm – Männer, die wesentlich länger blieben, aber auch solche, die meinen Weg für kürzere Zeit kreuzten – und doch konnte keiner mit Kay konkurrieren – er war eben der Erste (wenn auch nicht DER Erste).

Kay ist jetzt irgendwo in der Weltgeschichte unterwegs – seine letzte Mail kam vor 3 Monaten aus Südafrika und er war auf dem Weg nach Namibia. Er ist ein Weltenbummler – aber wenn ich „Like A Prayer“ höre, dann ist er mir ganz nah, ich bin wieder 17 und es ist Sommer.

Der HVV und der Sperrung einer Teilstrecke meines täglichen Arbeitsweges verdanke ich, dass mir ein weiterer mit Erinnerungen behafteter Ort ins Bewusstsein geraten ist – St. Pauli Landungsbrücken.

Vom Beginn meiner Hamburger Zeit an zählen die Landungsbrücken zu einem meiner Lieblingsorte hier in Hamburg. Und das Lied von Kettcar erinnert mich immer wieder an diesen Ort.

Das erste Mal war ich in der Weihnachtszeit 1989 dort – die Grenzen waren gerade aufgebrochen und alles strömte gen Westen – die Züge waren entsprechend überfüllt.

Wir waren auf Verwandtschaftsbesuch – Peter schenkte mir damals ein von ihm selbst gemaltes Bild (später brachte er mir bei einem Gegenbesuch ein zweites mit) – ich behandelte dieses Bild in dem überfüllten Zug wie ein rohes Ei und hab es tatsächlich heil nach Hause gebracht. Peter’s Bilder hängen heute noch bei mir an der Wand – etwas angeschrabbelt durch die vielen Umzüge, aber immer noch schön.

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Peter lebt schon einige Jahre nicht mehr – er hat sich in Hamburg vor eine S-Bahn geworfen.

Vielleicht hänge ich auch daher so an diesen Bildern.

Ich weiß, dass wir damals an den Landungsbrücken waren, aber tiefergehende Erinnerungen hab ich eigentlich nicht mehr.

Dann – Jahre später (es war in der Vorweihnachtszeit 2004) – habe ich Jan in Hamburg besucht (zweimal binnen 14 Tagen und danach hörte ich nie wieder etwas von ihm – er hat aber noch meine Lieblingsauflaufform. Vielleicht denkt er ja hin und wieder mal an mich, wenn er sie benutzt – und wenn nicht, hab ich damit auch kein Problem).

Jan musste arbeiten und so hab ich mich, um nicht die ganze Zeit in diesem Plattenbau zu hocken, einfach mal in die Bahn gesetzt, um ein wenig von Hamburg zu erkunden. Vom Hauptbahnhof über den Rathausmarkt runter in die Speicherstadt (dort mit kleinen Aufenthalten im Dungeon und im Miniatur Wunderland, und dann bin ich bei untergehender Sonne an den Landungsbrücken entlang flaniert.

Zurück – am Bismarck und dem Hamburger Michel vorbei – über den Jungfernstieg an der Alster entlang bis hin zum Hauptbahnhof (meine schmerzenden Füße spüre ich heute noch) – und am schönsten war doch die Atmosphäre des hereinbrechenden Abends an den Landungsbrücken – die Elbe, die Schiffe und Barkassen, die untergehende Sonne hinter all den Kränen – und dieser Geruch der Elbe – beinahe mit dem Duft der weiten Welt und dazu die klare Winterluft – das alles läßt sich so schwer beschreiben.

Das muß man einfach erlebt haben.

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Im Frühjahr und Sommer war ich noch einige Male hier, bevor ich mich dann endlich entschieden hatte, meine Zelte in Dresden abzubrechen und nach Hamburg zu gehen.

Naja, wenigstens der Elbe bin ich treu geblieben – und ein Nordlicht gehört eben doch mehr in den Norden.

In dieser Zeit war ich noch einige Male und gerne an den Landungsbrücken …

… einmal sind wir mit unseren Rädern in den Schlagermove geraten (furchtbar diese ganzen Menschen) und haben, bis der Wurm an uns vorübergezogen war, hier einen kleinen Zwischenstopp eingelegt

… ein anderes mal zum Hafengeburtstag
Wieder waren Massen von Leuten unterwegs, was bei mir ja eher Panik als Wohlfühlatmosphäre auslöst. Aber nach dem ersten Fahrgeschäft (ich hab keine Ahnung mehr, wie viel G nun genau auf unserer Körper wirkten) war ich in einem Rausch, dass mich auch die Menschenmassen nicht mehr störten.
Und abends lief die Queen Mary II in Elbe 17 zur Generalüberholung ein. Hach, was war das schön.

Als Hamburger scheint man unweigerlich zum Queen-Mary-II-Fan zu mutieren.

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Und durch die Streckensperrung der HVV komme ich nun allmorgendlich (und wenn ich entspannt bin und Lust habe auch allabendlich) in den Genuss, mit der U-Bahn an den Landungsbrücken vorbei zu fahren – morgens, wenn das Leben allmählich wieder erwacht und noch kaum Menschen, vor allem null Touristen, dort unterwegs sind, haben die Landungsbrücken noch mal eine ganz andere eigene Atmosphäre. Selbst wenn der Morgen grau in grau oder verregnet ist, haben die Landungsbrücken einen eigenen – dann auch rauen – Charme.

Den ersten Tag der Streckensperrung bin ich ja noch dort entlang gefahren – es gibt auch eine andere und kürzere Alternative – um etwas von dem Flair der Landungsbrücken in mich aufzusaugen.

Und dann erwischte es mich eiskalt – es gibt noch eine andere Erinnerung, die ich mit den Landungsbrücken verbinde – es ist eine Erinnerung an IHN.

Die Erinnerung traf mich mit einer solchen Wucht, dass es mir sofort das Wasser in die Augen trieb. Darauf war ich an jenem Morgen einfach nicht vorbereitet.

Es war unser erstes Treffen – Ostern dieses Jahres – und weil die Landungsbrücken zu meinen Lieblingsorten gehören, musste ich sie ihm selbstverständlich zeigen.

Ich erinnere mich an den alten Elbtunnel – Schritte hinter uns, die ich nicht wahrnahm, ihn aber besonders aufmerksam machten – unser Lachen über diese Situation.

Ich erinnere mich, wie wir – ob unserer Unsicherheit über die Gefühle des anderen immer auf einen Anstandsabstand zwischen uns achtend – die Landungsbrücken bis vor an die Speicherstadt nebeneinander hergingen, uns gegenseitig beobachtend in der Hoffnung, dem anderen fiele es nicht zu sehr auf.

Ich erinnere mich an den Wunsch, meine Hand in seine legen zu wollen und doch nicht den Mut dazu fassen zu können.

Ich erinnere mich an ihn und meine Gefühle zu ihm, an die schöne Zeit, die wir miteinander hatten und den Schmerz, den ich empfand, als sein Zug vor 6 Wochen den Bahnhof verließ und mich mit dem Gefühl zurückließ, dass ich ihn nie wieder sehen würde.

All das hatte ich (bis auf den Schmerz, den ich empfand, als das Gefühl vom Bahnhof vor 6 Wochen zur Gewissheit wurde, und der mir das Leben und Lachen auch heute noch so schwer macht) verdrängt und kam mir jetzt wie ein Film zurück ins Gedächtnis.

Es gibt Träume, die träumen wir so intensiv, dass wir denken, wir würden es tatsächlich erleben – genauso waren diese Bilder an jenem Morgen vor einer Woche für mich.

Seitdem fahre ich jeden Morgen diese Strecke.

Nun könnte man mich fragen, warum ich mir das antue und nicht einfach die andere und zudem kürzere Strecke fahre.

Nun, ich würde darauf antworten, dass ich versuche, bewusst Abschied zu nehmen – in der Hoffnung, dass der Schmerz erträglich für mich wird und ich irgendwann loslassen kann.

Die Erinnerungen und Assoziationen werden bleiben und jedes mal wiederkommen, wenn ich an den Landungsbrücken bin – das werde ich nicht unterdrücken können – aber ich möchte die Landungsbrücken in Zukunft einfach wieder als das erleben, was sie immer für mich waren – ich möchte meine Zeit dort genießen können – auch die Erinnerungen, die aber ohne dass es mir die Tränen in die Augen treibt, die Wehmut mich gefangen nimmt und der Schmerz mir das Herz einschnürt.

Aber Kummer sucht auch freundliche Orte heim;
Kummer geht auf Reisen;
Kummer kommt zu Besuch;
Kummer kann sogar Urlaub nehmen von Orten, wo er gedeiht.
Der Kummer begann, wie Kummer es häufig tut, mit dem Sich-Verlieben.

~ John Irvin in „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ ~

 

Vielleicht sollte ich den Kummer einfach begraben, damit ich endlich loslassen kann.

Wo?

An den St. Pauli Landungsbrücken natürlich … mir schwebt da eine Seebestattung vor.

 
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Verfasst von - 11. September 2007 in Zitate

 

Sprüche – 009 / 010

Sei nicht verzweifelt, wenn es um das Abschied nehmen geht. Ein Lebewohl ist notwendig, ehe man sich wieder sehen kann. Und ein Wiedersehen, sei es nach Augenblicken, sei es nach Lebenszeiten, ist denen gewiß, die Freunde sind.

~ Richard Bach ~

 

Wenigstens verzweifelt bin ich nicht – ich bin nur leer und doch übervoll von Traurigkeit.

Und dabei bin ich diejenige, die „Lebewohl!“ gesagt hat.

Ich bin die Abschiede leid!

Ich bin die Schmerzen leid!

Ich bin die Traurigkeit leid!

Ich bin die Tränen leid!

Ich bin meine Geister so leid!

So ist das dann wohl … am Ende bleiben erst einmal die Tränen.

 

Gewöhnlich hat, wenn zwei sich scheiden, ein Ly etwas mehr zu leiden.

~ frei nach Wilhelm Busch ~

 
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Verfasst von - 24. August 2007 in Zitate

 

Sprüche – 008

Freundschaft erlaubt einem nicht automatisch, dem anderen unangenehme Dinge zu sagen. Je näher man einem Menschen ist, desto wichtiger werden Taktgefühl und Höflichkeit.

~ Oliver Wendell Holmes ~

Einspruch Euer Ehren!

Ich sehe das mal wieder komplett anders.

Liegt das eigentlich an mir, dass ich immer erst einmal dagegen bin? *überleg*

Wo – wenn nicht in einer Freundschaft – sollte es erlaubt und gewollt sein, dass man sich gegenseitig unangenehme Dinge sagt. Eine Freundschaft verkraftet das – das macht eine Freundschaft in meinen Augen auch aus.

Wie soll ich mich selbst reflektieren können, wenn ich – sei es aufgrund der Situation oder persönlicher Betroffenheit – blind und taub bin für eigentlich offensichtliche Dinge und mich noch nicht einmal ein Freund zum Denken anstößt oder auf die Dinge aufmerksam macht?

Immerhin ist es gut möglich, dass er mich durch sein Schweigen in für mich unangenehme Situationen tappen lässt, die vielleicht auch mit unangenehmen Konsequenzen für mich verbunden sind. Und noch schöner für mich, wenn er mir dann hinterher auch noch sagt, er habe es kommen gesehen, aber mir nicht wehtun wollen, indem er mich darauf aufmerksam macht.

Ich empfinde es als falsch verstandene Freundschaft, wenn mir meine Freunde aus Takt und Höflichkeit unangenehme Dinge über mich vorenthalten. Schweigen aus Takt und Höflichkeit ist in meinen Augen eine – wenn auch abgeschwächte – Form von Verlogenheit mit der Konsequenz, dass ich beginne daran zu zweifeln, ob ich als Mensch meinen „Freunden“ noch etwas bedeute und ihnen vertrauen kann.

Eine Frage des Taktgefühls und der Höflichkeit ist sicherlich nicht, ob man einem Menschen unangenehme Dinge über ihn erzählt, sondern viel mehr, wie man dieses tut.

Oberflächlichkeit finde ich an jeder Ecke – meine Freunde schätze ich unter anderem deshalb so sehr, weil wir derart offen und ehrlich miteinander umgehen können, dass wir uns die unangenehmen Dinge auch sagen können, ohne es einander übel zu nehmen.

Keiner hört gerne unangenehme Dinge über sich, aber einfach die Augen zu machen (was ich nicht sehe, ist auch nicht da) lässt diese Dinge nicht verschwinden. Es kann sie sogar noch schlimmer machen.

Lieber schlucke ich erst einmal und setze mich mit dem Problem auseinander, als am Ende das ganze Elend volle Breitseite zu bekommen und dann auch noch ein Problem mit der Frage zu haben, wem ich auf dieser Welt eigentlich noch vertrauen kann.

Und noch etwas:

Freunde dürfen sich auch gerne einmal angenehme Dinge übereinander sagen. Ein klein wenig Bestätigung ist gut für die Seele.

In diesem Sinne: Ein Hoch auf meine Freunde

 
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Verfasst von - 22. August 2007 in Zitate

 

Sprüche – 006 / 007

Der Charakter einer Frau zeigt sich nicht, wo die Liebe beginnt, sondern wo sie endet.

~ Rosa Luxemburg ~

 

Hm…

Ich glaube, ich bin charakterlos oder zumindest von einem miesen Charakter beseelt.

Danke für diesen Spruch gerade JETZT! Wer war das?

Genau diesen Spruch hab‘ ich in meiner Sammlung noch gebraucht!

Vorrätig hätte ich daneben noch:

~ Auch andere Mütter haben schöne Söhne!
~ Die Zeit heilt alle Wunden!
~ Auf jedes Töpfchen passt ein Deckelchen!
~ Auch du wirst gefunden werden!
~ Wer dich so nicht will, hat dich anders nicht verdient!
~ Mir geht’s auch nicht anders!
~ In Afrika verhungern Kinder!

Ich danke für euer Verständnis, aber ich kann es nicht mehr hören – bei Gelegenheit geb‘ ich euch dann die gleichen alten weisen Sprüche zurück.

Da ist es jemandem gelungen, mein Herz zu berühren und ich konnte mich ohne Bedenken so geben, wie ich wirklich bin – ich brauchte meine Mauern nicht. Hab‘ mich einfach nur wohl und aufgehoben gefühlt und grenzenlos vertraut, ohne dass er etwas dazu tun musste.

Er war einfach nur er, und ich konnte dadurch einfach nur ich sein.

Wie sagte Rainer Maria Rilke so treffend?

Sieh dir die Liebenden an, wenn erst das Bekennen begann, wie schnell sie lügen.

Nein, Ly, er hat nicht gelogen!

Ja, das hat er wirklich nicht … er hat nur geschwiegen, um mich nicht zu verletzen.

Vielen Dank für so viel Rücksichtnahme, aber dadurch tut es nur noch mehr weh, weil sich von einer Sekunde zur anderen mein Urvertrauen in seine Offenheit auflöste.

Bye, bye Zuversicht und Selbstsicherheit

*winke winke lala*

Und wie zeigt sich nun, da es endete, mein wahrer Charakter?

Ich bin verletzt – traurig bin ich.

Meine Seele gefriert!

Normal halt für eine derartige Situation!

Die Geborgenheit, die ich gefunden hatte, die Sicherheit, so sein zu dürfen, wie ich bin, war nicht mehr auffindbar … von jetzt auf gleich.

Aufwachen Ly – die Realität hat dich wieder – bist du etwa schon wieder dem Trugbild erlegen? Dabei wolltest du doch ein für alle mal die Finger davon lassen. Und du hast es so lange durchgehalten.

Ein Ly ist nicht zum Verlieben da – wie oft brauche ich es noch, um es endlich zu verinnerlichen?

Ich wurde wieder das, was ich immer war – zickig, ruhelos, haltlos, irrational, rebellisch … und doch eigentlich nur panisch ob des erneuten Verlustes.

Ich blocke alles und jeden – sogar mich selbst und alles, was mich ausmacht.

Ich gerate aus dem Ruder so ohne Boden unter den Füßen und lasse es jeden, der mir auch nur irgendwie über den Weg läuft, spüren.

Sorry Welt – unkontrolliertes Ly unterwegs.

Wir freuen uns, Ihnen heute in der 99. Wiederholung den beliebten Klassiker „Ly allein gegen die Wand!“ zeigen zu können und wünschen Ihnen viel Spaß und angenehme Unterhaltung!

Und wenn das mein wahrer Charakter ist … dann ist er das eben!

Wen interessiert es?

Mich nicht mehr!

Vielen Dank!

 
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Verfasst von - 21. August 2007 in Zitate

 

Sprüche – 005

Da war noch was …

Neulich Abend beim Fernsehen bin ich über folgenden Satz gestolpert:

Die Welt ist kein romantischer Ort mehr.
Einige Menschen in der Welt sind es aber noch.
Und darin liegt die Hoffnung.

~ John „das Gummibärchen“ Cage in Ally McBeal ~

Romantik – dieser verklärte Blick auf die Welt durch eine rosarote Brille?

Für mich ist Romantik mit einem viel tieferen Erleben als Kerzenschein, Rotwein und lauschiger Musik verbunden.

Wikipedia (Internetlexikon) sagt zum Thema:
Im heutigen, allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff Romantik mit dem Adjektiv romantisch die Eigenschaft einer Sache, das Herz mit Liebe und Sehnsucht zu erfüllen, z. B. in „romantische Liebe“, „romantische Musik“ oder „ein romantischer Brief“. Oft wird der Begriff synonym zu Kitsch gebraucht.

Das hat jedoch mit der kulturgeschichtlichen Epoche der Romantik nichts gemein.

Die Grundsteine des Romantismus sind Gefühl, Individualität (individuelles Erlebnis) und Seele (vor allem die psychisch gequälte Seele).

In der Organisation der Gesellschaft fanden durch die Industrialisierung große Umbrüche statt, die neue Maschinenwelt führte zu Verstädterung und Landflucht, ein vormaliges Idyll war für die Romantiker dabei zu verschwinden.

Die gescheiterte Revolution in Deutschland, nach dem Vorbild der Französischen Revolution, bei der das absolutistische System, die Ständegesellschaft sowie die Macht der Kirche bestehen blieben, zeigte, dass der Wandel des „Systems“ nicht mehr in oder mit der Gesellschaft stattfinden konnte.

Dies sahen die Romantiker mit ihrer individualistischen Grundeinstellung als einen Grund, um in ihrer Dichtung in Melancholie, in fantastische, unwirkliche, idyllische Welten zu fliehen und sich aus dem gesellschaftlichen Leben weitgehend zurückzuziehen (Flucht aus der Wirklichkeit).

Romantik ist also in Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs entstanden, in Zeiten der Kapitalisierung. In Zeiten, in denen man begann, nach dem Motto „schneller, höher, weiter“ zu leben. Das Miteinander, das Denken, das Wahrnehmen anderer, die Individualität – all das war nicht mehr wichtig und rückte in den Hintergrund.

Gut, die Romantiker sahen die Welt schon ziemlich verklärt und bauten sich Traumwelten auf, aber sie zeigten Tiefgang, erinnerten die Menschen an ihre Ursprünge, erinnerten sie auch daran, ihre Kindheit in gewissem Maße zu bewahren und prangerten damit letztlich auch die gesellschaftlichen Zustände an.

Was ich bewundere und auch mir eigen ist, ist der Tiefsinn ihrer Gedankenwelt, obwohl ich schon auch aus eigener Erfahrung weiß, dass man sich nicht zu sehr in die Tiefen ergeben sollte, weil man sonst in einen Strudel gerät, aus dem man nicht mehr oder nur mit viel Mühe entkommen kann. In diesen Tiefen vergraben lässt es sich heute schlecht überleben. Der Sinn für die Realität ist schon nicht schlecht, um zu überleben und nicht unterzugehen.

Und betrachtet man sich die heutige Zeit … naja … ich sag mal so: Ein klein wenig Romantik und ein klein wenig Tiefgang in der Gedankenwelt kann der Welt nicht schaden. Und es gibt Hoffnung, wenn man erkennt, dass es doch noch vereinzelt derartige Romantiker auf der Welt gibt.

Die Erde dreht sich weiter, wir können sie nicht aufhalten und wir können wohl auch gewisse gesellschaftliche Entwicklungen nicht aufhalten, aber wir können versuchen, uns diesen Entwicklungen nicht willen- und gedankenlos zu ergeben und schon alleine dadurch etwas bewirken.

Ich denke, eine gesunde Mischung von Realismus und Romantismus würde unser Leben und Zusammensein schöner und leichter machen!

Nur mal so nebenbei – ich liebe die Serie „Ally McBeal“ und zwar vom Tag seiner Erstausstrahlung an.

Es bedurfte in Deutschland allerdings einer wiederholten Ausstrahlung der ersten Staffel, damit die Serie so etwas wie Kultstatus erreichte – an „Sex And The City“ oder „Desperate Housewives“ war da noch lange nicht zu denken.

Aber dann war sie überall – die Allymania *jiharr*

Aber ich liebe Ally McBeal vielleicht nur daher, weil – lassen wir die Äußerlichkeiten mal da, wo sie hin gehören, nämlich außen vor –

~ sie kleine Männchen sieht, die nur sie sieht

~ sie überhaupt eine so herrlich verschrobene Gedankenwelt und Phantasie hat

~ sie grandios chaotisch ist

~ sie den Glauben an das Gute im Menschen einfach nicht verlieren mag

~ sie im Grunde ihres Herzens sehnsüchtig ist nach einer verwandten Seele

~ sie an die Liebe glaubt und hofft, ihr zu begegnen

~ sie keine Witze erzählen kann

~ sie trotz größter Bemühungen doch in jedes sich ihr bietende Fettnäpfchen tritt

~ sie Anwältin ist

~ sie mir so ähnlich ist

 

*seufz* Ally ist ein Ly!

Alles wird wieder gut, Ly!

Ja, Ally, vielleicht …

 
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Verfasst von - 21. August 2007 in Zitate

 
 
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